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„Es wird niemand allein gelassen“

  • Nele Meincke

Helferkreis „Pusteblume“ organisiert in Reutershagen 14-tägige Treffen für ältere Menschen, die unter Demenz oder Einsamkeit leiden

Zwölf ältere Frauen und Männer sitzen am Donnerstagnachmittag im „Fritz-Reuter-Treff“ in Reutershagen an einer hübsch weihnachtlich gedeckten Tafel und unterhalten sich über Weihnachtserlebnisse und besondere Traditionen, die sie in ihren Familien gepflegt haben. Präsent sind vor allem die Erinnerungen an die 1950er-Jahre, als die Mutter mit ihren Nähkünsten so manchen Herzenswunsch erfüllte oder der Vater bei Über-Land-Fahrten eine Weihnachtsgans ergattern konnte. Die Geschichten sind meist nachdenklich und sehr ehrlich erzählt. Die meisten der Teilnehmer kennen sich bereits gut, kommen regelmäßig zum Helferkreis „Pusteblume“, den Gabriele Greschkowitz seit 2020 leitet. „Die Alzheimer Gesellschaft hat diese Veranstaltungen für Menschen mit Demenz initiiert“, sagt die 60-Jährige. Sie sollen vor allem pflegende Angehörigen im Alltag für ca. zwei, drei Stunden entlasten und zugleich Menschen mit Demenz etwas Abwechslung bringen. Die Zusammenkünfte sind darüber hinaus auch für ältere Menschen offen, die allein leben und sich einsam fühlen. „Wir sind gern für alle da, es wird niemand allein gelassen“, betont Gabi Greschkowitz. Sie streicht zärtlich über den Rücken ihrer Sitznachbarin, die in sich gekehrt den Gesprächen lauscht.

Auf der anderen Tischseite nickt Ingrid Sischka (87). Ja, im Kopf sei sie noch fit. Vor sechs Jahren starb ihr Mann, erzählt sie. Das sei ein großer Einschnitt in ihrem Leben gewesen. Inzwischen habe sie wieder Fuß gefasst. Drei Tage die Woche nutze sie jetzt die Möglichkeit, eine Tagespflegeeinrichtung zu besuchen. Dort werde das beliebte „Rummikub“ gespielt und viel gelacht. „Die Kita für Omas ist gut“, scherzt eine andere ältere Dame. Die Zusammenkunft im „Fritz-Reuter-Treff“ mit Singen, Lesen, Basteln, Erzählen und Kaffeetrinken sei eine schöne Abwechslung.

In den vergangenen zwei Corona-Jahren sei es sehr schwierig gewesen, die Angebote der Alzheimer Gesellschaft umzusetzen, erklärt Gabriele Greschkowitz. „Die hygienischen Vorgaben waren streng, zahlreiche Veranstaltungen für Gruppen einfach nicht möglich.“ Noch immer treffe man sich in der Runde nicht wöchentlich, sondern 14-täglich. Aber die neue Begegnungsstätte im Oll-Daniel-Weg 9 sei eine gute Wahl. „Wir sind weniger abhängig von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen.“

Dann liest Gabi Greschkowitz eine Weihnachtsgeschichte vor, betont und für alle gut verständlich. Die Geschichte berührt. Anschließend hat Olaf Stange, ebenfalls ehrenamtlicher Helfer der Alzheimer Gesellschaft, ein Quiz rund um Weihnachten zusammengestellt. Der Spaß dominiert. Wer kann schon wissen, wieviel Nadeln eine 1,70 große Tanne hat. 180.000 heißt es in der Auflösung.

Große Überraschung: Der Weihnachtsmann schaut persönlich bei den älteren Herren und Damen vorbei. „Da Familienmitglieder oft weit entfernt voneinander leben, sind die Weihnachtsfeiern in solchen Begegnungsstätten sehr wichtig“, meint Gabriele Greschkowitz. Natürlich koste es Überwindung, sich aufzuraffen und aus dem Haus zu gehen. Aber wer erst einmal Anschluss an einen Helferkreis gefunden habe, der schätze die Gemeinschaft. Menschen mit Demenz können zudem auch in Einzelbetreuung einen Nachmittag lang versorgt werden. Die Pauschalen für die Betreuung übernehmen bei einer Pflegestufe die Krankenkassen.

Ansprechpartnerin:

Gabriele Greschkowitz
Telefon: (mobil): 0172-3130983