
Hilft Lithium gegen Demenz?
Hilft Lithium gegen Demenz?
Eigentlich ist uns Lithium eher durch die Akku-Technik bekannt. Aber auch im Rahmen der Behandlung von Alzheimer nimmt die Bedeutung des Spurenelements weiter zu. Nachfolgend soll geklärt werden, was aktuelle Studien zum Thema Lithium und Demenz sagen.
Was ist Lithium?
Lithium gehört wie Kalium und Natrium zu der Klasse der Alkalimetalle. Es ist ein Spurenelement, welches auch im menschlichen Körper vorkommt und kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Demnach muss Lithium über die Nahrung zugeführt werden (z. B. durch Mineralwasser, Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte wie Mandeln).
Eine Anerkennung als essenzielles Spurenelement hat Lithium nicht, d. h. es ist nicht als lebensnotwendiges Element eingestuft, da bisher kaum bekannt ist, dass es beim Fehlen von Lithium im Körper Mangelerscheinungen gibt – solche Stoffe nennt man deshalb „Ultraspurenelemente“.
Das Element wird allerdings (als Lithiumsalz) schon seit über 70 Jahren zur Behandlung von psychischen Störungen, wie bipolaren Störungen und Psychosen verwendet und soll insbesondere die Stimmung verbessern und gegen Suizidgedanken helfen.[1]
Wie soll Lithium im Körper wirken?
Es sind noch nicht alle Wirkmechanismen von Lithium bekannt. Es kommt an vielen Stellen im Körper (Nieren und Schilddrüsen) vor und hat dort jeweils unterschiedliche Funktionen. In Bezug auf eine Demenzerkrankung ist die Wirkungsweise in der Hirnregion entscheidend:
Lange war die Funktion des Elements im Gehirn nicht gut erforscht, heute wissen wir, dass das Spurenelement Einfluss auf die Funktionalität von Nervenzellen hat und an einer Vielzahl von Prozessen in neurochemischen Systemen des Gehirns beteiligt ist (hierzu zählen u. a. Ionenkanäle und Neurotransmitter, wie z. B. Serotonin oder Dopamin). [2]
Eine entscheidende Wirkung wurde durch die im August 2025 durch das Nature-Magazin veröffentlichte Harvard-Studie verdeutlicht. Es konnte gezeigt werden, dass ein bestimmter Prozess, der für die Entstehung der TAU-Tangels verantwortlich ist, mittels Lithium gehemmt werden kann (Glykogensynthasekinase 3, oder kurz: GSK-3). Zudem traten waren Amyloid-Plaques sichtbar, welche entscheidend für die Ausbildung der Alzheimer-Erkrankung sind.
Was sagen die neusten Studien – ist Lithium zu empfehlen?
Es gibt verschiedene Studien zum Thema Lithium und Demenz:
Populär wurde bspw. eine Untersuchung der Universität Kopenhagen im Jahre 2017, bei der Einwohner aus bestimmten Regionen Dänemarks mit einem erhöhten Lithium-Spiegel im Trinkwasser mit Personen verglichen wurden, deren Trinkwasser weniger Lithium enthielt. Obwohl für die Gruppe mit mehr Lithium im Trinkwasser ein geringeres Risiko für die Ausprägung einer Demenz gezeigt werden konnte, räumten die Forschenden ein, dass auch andere (unbekannte) Faktoren die Ergebnisse beeinflussen könnten.[3]
Die eben erwähnt Studie der Harvard Medical School entfachte die Diskussion um Lithium als mögliches Schutzfaktor für die Alzheimer-Erkrankung wieder neu. Laut Dr. Ashley Bush wurden die „bahnbrechenden“ Effekte an Mausmodellen mittels des sog. Lithiumorotat festgestellt. Die Mäuse zeigten nach Gabe des Salzes eine verminderte Entwicklung von Alzheimer und Gedächtnisverlust.[4]
Die Forscher folgen aus ihren Ergebnissen, dass die Auswirkungen von (endogenem) Lithium im Gehirn darauf hindeuten, dass eine Störung der Lithium-Regulation ein frühes Ereignis in der Entstehung der Alzheimer-Demenz sein könnte.[5]
Um tatsächlich valide Aussagen treffen zu können, müssen diese Ergebnisse noch an Menschen getestet werden, da Tierversuche sich nicht 1:1 auf Menschen übertragen lassen.[6]
Tatsächlich wurde eine solche Untersuchung im März 2026 von der Universität Pittsburgh veröffentlicht. Dabei erhielten 41 Menschen über einen Zeitraum von zwei Jahren niedrigdosiertes Lithium und 42 Personen ein Placebo.
Allerdings zeigten die Probanden mit Lithium keine abweichenden kognitiven Leistungen zu denen mit der Gabe des Placebos. Zudem wurde die Studie mit Lithiumcarbonat durchgeführt und nicht mit dem vielversprechenden Lithiumorotat.
Demnach kann aktuell nicht bestätigt werden, dass Lithium ein Schutzfaktor gegenüber der Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung beim Menschen darstellt. Auch ist nicht erforscht, ob Lithium die ursächlichen hirnorganischen Störungen von Alzheimer lindern kann.
Gibt es Nebenwirkungen?
Aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnisse ist der Verkauf von Lithium in der EU nicht gestattet. Der Vertrieb des Spurenelements als Nahrungsergänzungsmittel ist eine Straftat, wie es die Verbraucherzentrale schreibt.[7]
Problematisch ist auch, dass aufgrund der fehlenden Einstufung von Lithium als essenzielles Spurenelement keine Dosierungsempfehlungen vorhanden sind – es gibt keine wissenschaftlich fundierte Einnahmereferenz. Dieser Umstand sollte dringend berücksichtig werden, da zu viel Lithium Übelkeit, Zittern, Nierenfunktionsstörungen und Probleme mit den Schilddrüsen verursachen kann.
Fazit
Lithium zeigt sich als ein Element, welches die Welt der Alzheimerforschung weiterhin beschäftigen wird. Lithium (bzw. seine Wirkungskraft) befindet sich aktuell im Spannungsfeld zwischen den verbreiteten Heilversprechen aus dem Internet und den tatsächlich wissenschaftlich belegten Erkenntnissen.
Aufgrund der fehlenden Studien von Lithium-(Orotat) am Menschen sowie der unklaren Verträglichkeit bzw. Dosis und den entsprechenden Nebenwirkungen, raten wir ausdrücklich von der Einnahme ab – erst recht dann, wenn diese ohne ärztliche Begleitung erfolgt.
Die Effekte der Harvard-Studie lassen jedoch darauf hoffen, dass die weiterführende Forschungsbemühungen bald klare Erkenntnisse liefern könnten.
Quellen:
https://www.alzheimer-schweiz.ch/de/ueber-demenz/beitrag/hilft-lithium-bei-alzheimer (Zugriff: 27.05.2026)
https://www.alzheimer-forschung.de/forschung/aktuell/lithium/ (Zugriff: 27.05.2026)
https://www.nature.com/articles/s41586-025-09335-x (Zugriff: 27.05.2026)
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/mit-lithium-gegen-alzheimer-157994/ (Zugriff: 27.05.2026)
Fußnoten:
[1] Im Jahre 1948 entdeckte der australische Forscher Dr. John Cade die Wirkung von Lithium bei manisch-depressiven Menschen, siehe https://en.wikipedia.org/wiki/John_Cade (Zugriff 27.05.2026)
[2] Vgl.: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Lithium_41883 (Zugriff 27.05.2026)
[3] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5710473/ (Zugriff: 27.05.2026)
[4] https://www.nature.com/articles/s41586-025-09335-x (Zugriff: 27.05.2026)
[5] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/mit-lithium-gegen-alzheimer-157994/ (Zugriff: 27.05.2026)
[6] vgl. https://www.alzheimer-forschung.de/forschung/aktuell/lithium/ (Zugriff: 27.05.2026)
[7] https://www.verbraucherzentrale.de/faq/lebensmittel/lithiumorotat-40582 (Zugriff: 27.05.2026)
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