
Welche nicht-medikamentösen Therapien helfen gegen Demenz?
Gibt es nicht-medikamentöse Therapieformen für Menschen mit Demenz, die Untersuchungen zufolge helfen? Ja, in einem Projekt der Uni Erlangen wurde ein strukturiertes Programm namens MAKS® entwickelt, welches positive Effekte auf die Betroffenen zeigte.
MAKS® steht für die folgenden vier Komponenten einer nicht-medikamentösen Therapie für Menschen mit Demenz: motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial-kommunikativ.
Die Therapie folgt einer klaren strukturierten Abfolge und Dauer von Therapieeinheiten und kann von zertifiziertem Personal durchgeführt werden. Was dieser Ansatz bringt und was pflegende Angehörige dabei mitnehmen können, klären wir hier.
Wie läuft MAKS® ab?
Wie oben bereits beschrieben ist MAKS ist ein Akronym, welches die verschiedenen Therapieschritte enthält. Allerdings folgt der Therapieansatz nicht dieser Reihenfolge, sondern entspricht einem der nachstehenden Durchführung. Das Konzept ist klar strukturiert und wird über einen Zeitraum von etwa 2 Std. durchgeführt
S – Soziale Einstimmung (10 min) – Begrüßung, Zeitungsartikel, Gedicht, Geburtstagsständchen
M – Motorische Aktivierung (30 min) – Sitztanz, Dosenwerfen, Bewegungsgeschichte
Pause / Trinken / Toilettengang (10 min)
K – kognitive Aktivierung – (30 min) Stadt/Land/Fluss, Kreuzworträtsel, Sprichwörter-Raten
A – Alltagspraktische Aktivierung – (40 min) Gugelhupf Backen, Gartenarbeit, Schätzaufgabe
Zu den verschiedenen Aktivierungen gibt es viele Materialien, welche in der Schulung bereitgestellt werden.
Hilft MAKS®-Therapie wirklich?
Die durch die Universität Erlangen veröffentliche Studie aus dem Jahre 2021 stellt erstmals Ergebnisse der MAKS®-Therapie vor. Fachlicher Hintergrund ist die S3-Leitlinie Demenz, welche auch konservative Therapien behandelt und eine Studie, die verdeutlichte, dass die Kombinationen von zwei konservativen Therapieansätzen (z. B. motorisches und Gedächtnistraining) einen höheren Effekt aufweist als nur eine Therapieform.
In der MAKS®-Studie wurden 34 Tagespflegeeinrichtungen über einen Verlauf von sechs Monaten eingeschlossen, die ein strukturiertes Tagesprogramm über zwei Std. an mind. drei Wochentagen mit den Tagespflegegästen vornehmen sollten.
Die Probandinnen und Probanden wurden zu Beginn mit einem MMST getestet und am Ende erneut.
Anschließend gab es eine sog. „offene Phase“ in denen die Einrichtungen selbst entscheiden konnten MAKS® weiter durchzuführen oder darauf zu verzichten. Hierbei sollte die Alltagstauglichkeit des Programms und eine mögliche Ergebnisverzerrung durch fehlende „Laborbedingungen“ überprüft werden. Zudem hatte dieses Studiendesign auch den Vorteil, dass es nun Einrichtungen gab, die durch die Beendigung der MAKS®-Therapie eine Art Kontrollgruppe darstellen. In der offenen Phase beteiligten sich „nur“ noch 22 Einrichtungen an der MAKS®-Therapie.
Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass die MMST-Werte der Therapiegruppen wesentlich weniger sanken als bei denjenigen Personen, die in der offenen Phase keine Therapie erhalten hatten.
„[…] in den 22 TPs, in denen MAKS in den Monaten 1 bis 6 der offenen Phase durchgeführt wurde, betrug der MMST-Wert anfangs durchschnittlich 19,8 Punkte (SD=6,1) und nach 6 Monaten 19,4 (6,4). Bei den 79 Personen in den 10 TPs, in denen MAKS nicht durchgeführt wurde, sank der Durchschnittswert von 19,1 (5,5) auf 17,9 (6,0).“
Die Studie konnte u. a. auch erheben, welche strukturellen Hürden für die Implementierung der MAKS®-Therapie in Tagespflegeeinrichtungen vorhanden sind. Weiterhin wurde die Wechselwirkung mit der Gabe von Antidementiva untersucht – das Ergebnis: In der Gruppe, die Antidementiva erhielt, nahm der MMST im Verlauf von 6 Monaten stärker ab als in der Gruppe ohne Antidementiva. Man vermutet hierbei, dass dieser Effekt mit der schon vorher schlechteren Ausgangskognition der medikamentös eingestellten Tagespflegegäste erklärt werden könnte. Dennoch ist die Effektstärke bei der MAKS-Therapie höher zu bewerten als die rein medikamentöse Therapie.
Zudem gab es bereits 2008 bis 2010 die MAKS®-aktiv“-Studie, welche in den Pflegeheimen durchgeführt wurde und den förderlichen Aspekt der Therapie erstmals bestätigte. Außerdem wird auf der Internetseite eine Evaluationsbericht aus dem Jahr 2025 veröffentlicht, der die Durchführung verschiedener Einrichtungen auswertet.
Welche Arten von MAKS® gibt es?
Es gibt mehrere Formen der MAKS®-Therapie, die:
- MAKS-m® – leichte und mittelschwere Demenz
- MAKS-s® – für schwere Demenz.
- MAKS-mk+® – Schwerpunkt auf Sturzprophylaxe
Dazu kommt: Sofern MAKS® implementiert ist, erfüllt man die gesetzlichen Vorgaben und die Empfehlungen des Expertenstandards „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ in stationären und teilstationären Einrichtungen (DNQP).
Wie kann dieses Konzept pflegenden Angehörigen helfen?
Indirekt hilft dieser Ansatz pflegenden Angehörigen, welche Betroffene bspw. in Tagespflege-Einrichtungen schicken, die über MAKS®-zertifiziertes Personal verfügen. Durch die nachgewiesene positive Wirksamkeit auf das Krankheitsbild, erfahren Angehörige deutliche Entlastung. Leider gibt es nach unserem aktuellen Kenntnisstand keine zertifizierte Einrichtung in M-V.
Weil es sich um eine geschützte Therapie handelt, ist die Durchführung ohne Genehmigung bzw. Zertifizierung und Schulung nicht gestattet. Dennoch zeigt die MAKS®-Therapie, dass nicht-medikamentöse (konservative) Behandlungsformen auf den Verlauf von Demenz einen wesentlichen dämpfenden Effekt haben.
Diese Erkenntnis können sich Betroffene und Angehörige zu Nutze machen: Ein strukturiertes Betreuungsangebot, welches verschiedene Elemente aus Kognitions-, Motorik- und Alltagsübungen enthält scheint einen positiven Effekt auf Menschen mit Demenz zu haben.
Nachfolgende Übersicht zeigt diesbezüglich eine Auswahl der wesentlichen Möglichkeiten nichtmedikamentöser Therapie für Menschen mit Demenz:


Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11248023/ (Zugriff: 22.07.2026)
https://www.maks-therapie.de/maks-therapien/ (Zugriff: 22.07.2026)
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