
Kann ein Gürtelrose-Medikament gegen Demenz helfen?
Menschen, die eine Gürtelrose-Impfung erhalten haben, erkranken seltener an Demenz als Personen ohne diese Impfung. Das haben mehrere Studien in der jüngeren Vergangenheit ergeben. Hierzu wurden initial Daten eines Impfprogramms für Gürtelrose aus dem Jahr 2013 für Wales ausgewertet. Doch halten die Daten, was sie versprechen?
Gute Voraussetzungen für valide Ergebnisse
In Wales wurde 2013 ein neuer Gürtelrose-Impfstoff eingeführt. Am Impfprogramm teilnehmen durften Menschen, die am 1. September 2013 79 Jahre alt waren[1]. Die Probandinnen und Probanden erhielten ein Jahr lang Anspruch auf die Impfung, während fast gleich alte Personen – d.h. 80-Jährige – keinen Anspruch hatten.
„Diese Regel hatte vor allem das Ziel, den begrenzten Vorrat an Impfstoff zu rationieren. Gleichzeitig ermöglichte sie, die Wirkung des Impfstoffs isoliert zu betrachten. Denn von den 79-jährigen Walisern, die ihren 80. Geburtstag lediglich eine Woche nach dem Startdatum des Impfprogramms hatten, ließen sich fast 50% gegen Gürtelrose impfen, von den 80-jährigen, die ihren 80. Geburtstag eine Woche vor dem Startdatum hatten, fast niemand.[2]“
Da sich diese Gruppen im Geburtsdatum praktisch nur um eine Woche unterschieden, konnten Forschende sehr zuverlässig untersuchen, wie sich die Impfung auf spätere Erkrankungen wie Demenz auswirkt. Das heißt von den Untersuchungsvoraussetzungen her ähnelten die Gruppen der zufälligen Zuteilung in einer klinischen Studie, ohne dass tatsächlich eine solche durchgeführt werden musste.
Kurzum: Trotz dessen, dass die Entwicklung von Demenzerkrankungen in dieser Untersuchung nicht betrachtet wurde, eignet(e) sich die Studie dennoch dafür, valide Aussagen zum Krankheitsverlauf zu tätigen.
Betrachtet wurden die Gesundheitsverläufe der Testpersonen nach etwa sieben Jahren. Man stellte fest, dass die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken, bei den Geimpften 20 % geringer ausfiel.
Weitere Studien aus Neuseeland, Kanada und Australien bestätigten diese Ergebnisse.
Was man weiß
Die Herpes-Zoster-Viren[3] der Gürtelrose wirken entzündungsfördernd. Bekannt ist, dass Demenzerkrankungen ebenfalls auf entzündliche Prozesse im Gehirn zurückzuführen sind – hier könnte es einen Zusammenhang geben. Die ausgelöste Immunantwort des Impfstoffes könnte sich auf das Risiko an einer Demenz zu erkranken auswirken. Darüber hinaus wurde dieser Schutzeffekt bei Frauen stärker beobachtet als bei Männern.
Was man (noch) nicht weiß
Eine genaue Erklärung für die Wirkmechanismen steht noch aus. Zudem ist unklar, ob eine aktuellere Zusammensetzung des Gürtelrose-Impfstoffs – wie es sie bereits gibt – eine verbesserte oder geringere Wirkung auf die Entwicklung von Demenzerkrankungen entfaltet.
In jedem Fall gilt, dass die Fachwelt durch diese Effekte in helle Aufregung geraten ist. Die Ergebnisse bieten ideale Voraussetzungen für weitere fokussierte randomisierte Studien, sodass wir uns in den nächsten Jahren mit Blick auf die Bekämpfung von Demenz immer weiterentwickeln werden.
Fußnoten
[1] Personen, die zu diesem Zeitpunkt 78 Jahre waren, erhielten den Impfstoff ein Jahr später usw.
[2] https://www.klinikum.uni-heidelberg.de (Zugriff: 13.01.2026)
[3] Das Varizella-Zoster-Virus löst zunächst Windpocken aus, kann dann aber im Körper verbleiben und später Gürtelrose auslösen
Quellen (Zugriff: 13.01.2026):
https://www.alzheimer-forschung.de/forschung/aktuell/guertelrose-impfung/
https://www.nature.com/articles/s41586-025-08800-x
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