
Demenzprävention Teil IV – Begünstigt eine Depression das Risiko einer Demenzerkrankung?
In vielen Beiträgen zum Thema Demenz, wird die Beteiligung einer Depression betont. Darunter wird in erster Linie die Unterscheidung von (Alters-)Depression und einer Demenzerkrankung verstanden. Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten, sich wechselseitig beeinflussen und lassen sich dann häufig schwerlich auseinanderhalten. Unbehandelt, kann dies zu einer anhaltenden Abwärtsspirale führen, in der sich die Symptome von Depression und Demenz wechselseitig verstärken.
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Die in der Überschrift angeklungene Frage, meint aber etwas anderes: Kann eine im Lebensverlauf entwickelte Depression das Risiko erhöhen, überhaupt an Demenz zu erkranken?
Dass es hier einen Zusammenhang gibt, ist der Wissenschaft schon länger bekannt. Allgemein gilt, Depressionen haben einen Risikofaktor von 3 %. D. h. betrachtet man alle Risikofaktoren, welche für Demenz bestehen, haben Depressionen einen 3-prozentigen Anteil daran[1]. Die Diskussion in der Demenzforschung dazu wurde jedoch jüngst wieder entfacht, da zwei Studien im vergangenen Jahr die Wirkmechanismen und ursächlichen Zusammenhänge näher herausgearbeitet haben.
Ergebnisse der Studien
Forschende aus England und Australien haben gemeinsam im Mai 2025 eine Studie veröffentlicht, die den zeitlichen Zusammenhang zwischen Depressionen und Demenz betrachtet. Die Forschungsfrage lautete, in welcher Lebensphase Depressionen überhaupt als Risikofaktor für Demenz gelten kann. Da (wie oben beschrieben) beide Krankheitsbilder häufig gemeinsam auftreten bzw. in zeitlich engem Zusammenhang stehen, muss zunächst dargelegt werden, wann eine Depression unabhängig von einer Demenzerkrankung besteht und wie diese sich dann als neurologischer Risikofaktor auswirkt.
„Depressionen gelten als Risikofaktor für Demenz, doch die zeitliche Dynamik im Lebensverlauf ist noch nicht vollständig geklärt. Daher war es unser Ziel, den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Depressionsdiagnostik und dem Risiko einer Demenzerkrankung im höheren Lebensalter systematisch zu untersuchen.[2]“
Dazu führte das Team um den britischen Forscher Jacob Brian eine Metaanalyse bestehender Studien durch. Das bedeutet, mehrere bereits bestehende Studien, die sich mit der Untersuchung des Krankheitsverlaufes von Depressionen beschäftigten wurden unter bestimmte Kriterien gefiltert und die darin betrachteten Probandinnen und Probanden auf die Entwicklung einer Demenz hin untersucht. Dabei konnten nur Personen berücksichtigt, bei denen eine Depression – aber noch keine Demenz diagnostiziert war.
„Insgesamt flossen Daten von über 3,4 Millionen Teilnehmenden in die Analyse ein: 18 Studien berichteten über Depressionen mit Beginn im höheren Alter (n = 901 762 Teilnehmende; 7 595 Demenzfälle) und 7 Studien über Depressionen mit Beginn in der Lebensmitte (n = 2 501 269 Teilnehmende; 276 929 Demenzfälle)“[3].
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es ein Risikopotenzial bei an Depression erkrankten Menschen gibt, im höheren Alter ebenfalls an Demenz zu erkranken. Dieses erhöhte Risiko bezieht sich sowohl auf eine vorhandene Depression in der Lebensmitte, als auch im höheren Alter[4].
Biochemisch gesehen begünstigen die bei Depressionen auftretenden chronischen Entzündungen, als auch eine Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, sowie Gefäßveränderungen im Gehirn eine Demenzerkrankung. Aber auch genetische Faktoren und der veränderte Lebensstil an sich, haben Einfluss darauf[5].
Die Forschenden schlussfolgern, dass eine frühe Behandlung und gezielte Präventionsmaßnahmen die einzigen Möglichkeiten sind, diesem Risiko entgegenzuwirken.
Die zweite Studie untersuchte die konkreten Faktoren
In einer weiteren aktuellen Studie hat das Forschungsteam des University College London (UCL) die kognitive Entwicklung von 5.811 Personen mittels einer Längsschnittstudie untersucht. D. h. die Menschen, in einem Zeitraum von etwa 3 Jahren von 1997 bis 1999 eine Depression entwickelten wurden über einen langen Zeitraum beobachtet[6].
Die einbezogenen Personen waren damals zwischen 49 und 69 Jahre alt und es lag keine Demenzdiagnose bei ihnen vor. Der Gesundheitsverlauf der Probandinnen und Probanden wurde dann 23 Jahre lang beobachtet. 10,1 % der Personen entwickelten eine demenzielle Erkrankung.
Auffällig dabei war, dass diejenigen, die fünf Depressionssymptome oder mehr angaben, ein um 27 % höheres Risiko hatten, später an Demenz zu erkranken. Von den insgesamt 30 Symptomen konnten dann sechs Kernsymptome identifiziert werden, bei denen das Risiko am höchsten ist:
- Verlust des Selbstvertrauens
- Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Problemen
- Fehlende emotionale Verbundenheit mit anderen
- Anhaltende Nervosität
- Konzentrationsprobleme
- Unzufriedenheit mit der eigenen Arbeitsweise
„Besonders stark war der Zusammenhang bei geringem Selbstvertrauen und den Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Problemen – beide Symptome erhöhten das Demenzrisiko um etwa 50 Prozent. Andere Symptome wie Schlafprobleme oder Suizidgedanken zeigten hingegen keinen langfristigen Zusammenhang mit einer Demenzdiagnose.[7]“
Obwohl diese Studie ihre Grenzen hat, zeigt sie, dass der Risikofaktor Depression eine nicht unwesentliche Rolle für die Ausbildung einer Demenz spielt und unterstreicht das Fazit der anderen Forschungsarbeit: Depression muss verhindert, früh erkannt bzw. schnellstmöglich behandelt werden, um das Risiko an einer Demenz zu erkranken zu minimieren. Gehen Sie deshalb zum Arzt und lassen Sie sich behandeln.
Beide Forschungsergebnisse legen zudem die Notwendigkeit weiterer Studien zum Risikofaktor Depression nahe. Auf unserer Wissensplattform stellen wir weitere Präventionsmaßnahmen vor, die eine Demenz hinauszögern können.
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Sie sind nicht allein!
Fußnoten:
[1] https://www.fr.de/ (Zugriff: 26.01.26) und https://www.thelancet.com
[2] https://www.thelancet.com (Zugriff: 26.01.26)
[3] https://www.aerzteblatt.de (Zugriff: 26.01.26)
[4] Da die einbezogenen Studien z. T. unterschiedliche Schwellwerte für den Terminus mittleres Lebensalter und hohes Lebensalter festlegten, war es schwer, eine klare Eingrenzung der Altersspanne zu tätigen. Die Studie benennt jedoch an einer Stelle das mittlere Lebensalter mit 18 – 65 Jahren und das hohe Lebensalter mit ≥ 65 Jahren.
[5] https://www.thelancet.com (26.01.2026)
[6] https://www.thelancet.com (Zugriff: 26.01.26)
[7] https://www.morgenpost.de (Zugriff: 26.01.26)
Quellen:
- https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370%2825%2900198-1/fulltext (Zugriff: 26.01.26)
- https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(25)00331-1/fulltext (Zugriff: 26.01.26)
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/risikofaktoren-erhoehtes-demenzrisiko-bei-depression-ba1225ae-03d1-4c27-852b-806617bc679d (Zugriff: 26.01.26)
- https://www.fr.de/wissen/fuer-demenz-aller-ursachen-einher-depressionen-gehen-mit-signifikant-erhoehtem-risiko-93782847.html (Zugriff: 26.01.26)
- https://www.morgenpost.de/ratgeber-wissen/article410752975/zusammenhang-zwischen-depression-und-demenz-sechs-warnsymptome-identifiziert.html (Zugriff: 26.01.26)
- https://www.thelancet.com/pb/assets/raw/Lancet/infographics/dementia-2017/image-1721911723223.pdf Zugriff: 26.01.26)
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